Was ist IPA?
Im Gespräch mit Christian Baehrecke (Geschäftsführer, ISG)
Integrierte Projektabwicklung klingt gut, aber wo liegt der Unterschied zum „klassischen“ Planungs- und Bauablauf?
Christian Baehrecke: IPA ist eine partnerschaftliche Projektabwicklungsmethode, bei der die wichtigsten Wertschöpfungstreiber:innen frühzeitig als Teampartner:innen eingebunden werden und alle am Bau beteiligten Akteur:innen einen gemeinsamen Vertrag unterzeichnen, den Mehrparteienvertrag (MPV). Dadurch gelingt die frühzeitige Einbindung von Planungs- und Bauwissen.
Die Partner:innen planen und realisieren von Anfang an das Projekt gemeinsam und können sich so gemeinsam mit dem/der Bauherr:in ein gemeinsames Projektverständnis erarbeiten und so z.B. viel frühzeitiger und konkreter Risiken erkennen sowie gegensteuern. Die typischen Brüche, welche klassische Projekte oft aufweisen, sind stark reduziert oder entfallen sogar. Hiermit meine ich ganz konkret Projektwartezeiten für Vergaben von Planungs- und Bauleistungen, Teamwechsel beim/bei der Planer:in und Ausführenden aufgrund geendeter Planungsphasen und damit umfangreiche Einarbeitungsphasen für das Nachfolgeteam.
In den aktuellen Zeiten mit den immer komplexer werdenden Großprojekten kann man sich diese Verschwendung von knappen Planungs- und Ausführungsressourcen meiner Meinung nach auch immer weniger leisten.
Wie gestaltet sich so ein Mehrparteienvertrag?
Christian Baehrecke: Im Mehrparteienvertrag (MPV) sind im Wesentlichen neben den klassischen Inhalten wie Termine zum Projektablauf auch alle Spielregeln der Allianz geregelt. Dies betrifft beispielsweise die Aufgaben der Organisationseinheiten oder auch konkreten Projektziele, welche dem/der Auftraggeber:in besonders wichtig sind.
Der MPV regelt die Leitlinie für die Zusammenarbeit im Projekt. Es werden die Projektrollen, Entscheidungsprozesse und Eskalationsstufen definiert. Wichtige Elemente der Kultur der Zusammenarbeit werden verankert – Stichwort: No-Blame-Kultur – also die Suche nach Lösungen statt Verantwortlichkeiten. Auch werden Werkzeuge und Methoden, welche IPA-Projekte ausmachen, festgelegt. Hierzu gehören bspw. LEAN-Management-Werkzeuge oder auch das konsequente Arbeiten mit digitalen Planungsmodellen.
Des Weiteren ist im MPV beschrieben, wie die anreizbasierte Vergütung funktioniert: Wie setzen sich die direkten Projektkosten zusammen und welche Elemente hat das Bonus-/Malus-System. Neben übergeordneten Projektmeilensteinen können hier weitere messbare Indikatoren verankert werden, um die Projektziele des Auftraggebers zu erreichen. Wichtig ist auch, dass im MPV transparent geregelt ist, wie mit Fehlerkosten, Projektversicherungen und Haftungsfragen umgegangen wird. Ein gut durchdachter MPV fördert daher nicht nur den Projekterfolg, sondern schafft auch eine vertrauensvolle und zielorientierte Zusammenarbeit aller Projektbeteiligten.
Unsere Philosophie ist hierbei den MPV um ein vordefiniertes „Starterpaket“ zu ergänzen. Dieses enthält detaillierte Prozessvisualisierungen, Aufgabenzuordnungen und Rollenbeschreibungen, so dass die Allianz bzw. Partnerschaft direkt nach Unterzeichnung des MPV starten kann.
Der Mehrparteienvertrag (MPV) im Überblick
Was bedeutet das konkret für die beteiligten Parteien aber auch für Auftraggeber:innen?
Christian Baehrecke: Für die Projektbeteiligten bedeutet das konkret, dass Projektfortschritt wieder durch Zusammenarbeit erreicht werden kann, was in konventionellen 2-Parteienverträgen aufgrund unterschiedlicher Einzelinteressen (z.B. Erhöhung der anrechenbaren Kosten oder Bauzeitverlängerungen) oft gar nicht möglich ist. Durch die zusätzlichen Bonusregelungen haben alle beteiligten Parteien den Anreiz, wieder gemeinsam Projektziele zu erreichen und werden dafür zusätzlich noch belohnt.
Der/die Auftraggeber:in hat die konkrete Möglichkeit, aktiv im Projekt mitzuwirken und das Projekt angepasst an die Nutzeranforderungen mitzugestalten und nicht nur zu verwalten. Gerade die aktuelle Generation mit Berufserfahrung möchte eine sinnstiftende und zielorientierte Arbeit, in welcher das Projekt im Mittelpunkt steht. Das ist durch IPA wieder möglich.
Zum Projektstart nach Abschluss der Partnerauswahlphase ist es daher aus unserer Sicht sehr wichtig, dass das Projektteam zu Starttagen mit einem gemeinsamen Projekt-Kick-off zusammenkommt und tatsächlich ein Team entsteht.
Wie muss ich mir so einen beispielhaften Projekt-Kick-Off vorstellen?
Christian Baehrecke: Aus unserer Sicht sind gemeinsame Starttage bzw. eine Allianzwoche mit allen Allianzmitarbeiter:innen vor Ort in Präsenz sehr wichtig, um ein gemeinsames Projekt-, IPA- und Methodenverständnis zu schaffen.
Wir erarbeiten hier in der Rolle als IPA-Coaches bzw. des IPA-Managements einen durchstrukturierten gemeinsamen Wochenablauf, welcher neben dem Kennenlernen, dem Projekt- und Rollenverständnis, insbesondere das Teambuilding in den Vordergrund rückt.
Ich möchte einen Kulturwandel in der Baubranche aktiv und kompetent in Richtung partnerschaftlicher Projektabwicklung vorantreiben und diesen nachhaltig gestalten.
Christian Baehrecke (Geschäftsführer)
Die Effizienzsteigerung ist ein wesentlicher Aspekt, der oft im Zusammenhang mit IPA genannt wird. Wie wird das erreicht? Wie gewährleistet ihr als ISG, dass alle Projektbeteiligten effizient zusammenarbeiten?
Christian Baehrecke: Methodenverständnis, sinnvolle Anreizsetzung und ein funktionierendes Team sind drei wesentliche Aspekte. Von Projektbeginn an erarbeiten die Vertragspartner:innen kollaborativ alle Bauprozesse, -systeme, -strukturen, -ziele, -planungen, -terminierungen, -kosten etc. So werden gemeinsame Ziele und Qualitäten verfolgt.
Neue Vergabe- und Vertragskonzepte schaffen Anreizstrukturen. Die Zusammenarbeit findet partnerschaftlich auf Augenhöhe mit allen Beteiligten, Planer:innen, Baufirmen sowie dem/der Auftraggeber:in statt. IPA setzt auf eine konstruktive Projekt- und Vertragskultur mit gemeinsamer Kostenverantwortung. Mit IPA werden große Bauprojekte erfolgreich umgesetzt.
Um den Kulturwandel in der Baubranche aktiv und kompetent in Richtung partnerschaftlicher Projektabwicklung voranzutreiben und die eingeleiteten Veränderungen nachhaltig zu gestalten, engagiere ich mich mit Überzeugung im Team der ISG.